Solidarität mit Rojava!

Seit dem Mai 2011 ist in Rojava im westlichen Kurdistan und Nordosten Syriens eine Umgestaltung der gesellschaftlichen Verhältnisse im Gange, die eine Perspektive für die kurdische Freiheitsbewegung bietet und als wegweisend für die gesamte von Krieg und Zerstörung geprägte Region im Mittleren Osten angesehen werden kann.
Auf der Grundlage des Modells vom „Demokratischen Konföderalismus“ und der „Demokratischen Autonomie“ wurden in Rojava Strukturen geschaffen, mit denen allmählich das gesamte gesellschaftliche Leben in der Region neu organisiert wird.

Demokratisch aufgebaute Sicherheitskräfte, Genossenschaften und Räte, welche die unterschiedlichen Bevölkerungsgruppen und religiösen Gruppen widerspiegeln, gewährleisten die Partizipation vieler Menschen an der Regelung wichtiger Prozesse. Zusammengeschlossen sind alle bedeutenden politischen und zivilgesellschaftlichen Strukturen im „Kurdischen Hohen Rat“ (DBK), der auch über eigene „Volksverteidigungseinheiten“ (YPG) verfügt.

Erste Schritte im Aufbau einer neuen, nicht-kapitalistischen Ökonomie, die sich an den Bedürfnissen der Gesellschaft orientiert und auf die Vernichtung natürlicher Ressourcen verzichtet, wurden bereits gemacht. So wird die Ölindustrie in Rojava direkt von ArbeiterInnenkomitees und Räten verwaltet und Agrarkooperativen kontrollieren Teile der Landwirtschaft. Auch Gesundheits- und Bildungseinrichtungen werden schrittweise basisdemokratisch umgestaltet oder neu aufgebaut. Wie in der gesamten kurdischen Bewegung sind auch in Rojava Frauen führend an allen Umgestaltungsprozessen und Verwaltungseinheiten beteiligt und bilden gleichzeitig eigenständige Räte und militärische Strukturen wie die Selbstverteidigungskräfte „Yekineyen Parastina Jine“ (YPJ). Der Kampf gegen das Patriarchat und für die Befreiung der Frauen ist -auch und gerade in der ständigen Kriegssituation in Syrien- elementarer Bestandteil der Praxis der kurdischen Bewegung.

Mit ihrer fortschrittlichen Ausrichtung und aufgrund der bereits erfolgten Selbstorganisierungsprozesse ist die Bevölkerung Rojavas verschiedenen Kräften ein Dorn im Auge und sieht sich immer wieder massiven Angriffen gegenüber.
Die kurdische Bewegung selbst spricht davon, dass in Rojava ein „Dritter Weg“ beschritten wird, der weder die Zusammenarbeit mit der Baath-Partei von Baschar al-Assad, noch mit islamistisch dominierten RebellInnen beinhaltet.
Mehrfach wurden die Gebiete von den Truppen des syrischen Assad-Regimes bombardiert. Djihadistische, zum Teil mit der „Freien Syrischen Armee“ (FSA) zusammenarbeitende Gruppen versuchen ebenfalls die Region gewaltsam zu destabilisieren und verüben blutige Anschläge wie beispielsweise auf die Zentrale des „Kurdischen Roten Halbmondes“ in Kobani (Ain al-Arab).
Logistisch und finanziell unterstützt werden viele dieser Gruppierungen wie z.B. die Al-Nusra-Front vom NATO-Mitgliedsstaat Türkei. Auch westliche Staaten wie die USA, Frankreich oder Großbritannien haben an den Angriffen ihren Anteil, in dem sie die FSA mit Waffen versorgen, die dann auch in die Hände Al Kaida-naher Gruppen gelangen.

Gleichzeitig wird der Aufbau einer neuen Gesellschaft in Rojava durch Embargos der Türkei, islamistischer Gruppen und auch der „Kurdischen Regionalregierung“ (KRG) im Nordirak unter Präsident Massud Barzani geschwächt. Der Türkei und den mit ihr verbündeten westlichen Mächten geht es darum, das Entstehen einer selbstverwalteten föderalen Struktur in Westkurdistan, die Strahlkraft auf die gesamte geostrategisch bedeutende Region haben könnte, mit allen Mitteln zu verhindern. Barzani ist unter anderem aufgrund von Ölgeschäften auf die ökonomische und politische Zusammenarbeit mit der AKP-Regierung angewiesen. Er distanziert sich von der „Partei der Demokratischen Union“ (PYD), hinter der die Mehrheit der Bevölkerung von Rojava steht und die sich nicht an machtpolitischen Verteilungskämpfen beteiligen, sondern die Selbstorganisation der Räte weiter ausbauen will.

Trotz der enormen Behinderungen reaktionärer Kräfte und der verheerenden Situation in Syrien kommt die Umgestaltung in Rojava, die von vielen Kurdinnen und Kurden als „Revolution“ begriffen wird, weiter voran. Es ist dabei gelungen, einen Entwurf sichtbar zu machen für eine Entwicklung jenseits imperialistischer Interessen und autoritärer und islamistischer Regimes, die über Rojava hinaus für Syrien und den gesamten Mittleren Osten von Bedeutung sein könnte.
Dieser Entwicklung und den dahinter stehenden Menschen muss unsere Solidarität gelten.

Wir rufen deshalb dazu auf, am 8.Februar 2014 gemeinsam von Heilbronn nach Stuttgart zu fahren und sich dort an der Demonstration „Rojava – Das Schweigen brechen!“ zu beteiligen.

Hoch die Internationale Solidarität!

Treffpunkt: Samstag, 8.Februar 2014 | 12.40 Uhr | Hauptbahnhof Heilbronn

Arbeitskreis Internationale Solidarität Heilbronn
Organisierte Linke Heilbronn (OL)

Weitere Informationen: http://syrien-tagx.tk/